Georgienreise September 2013

Reisebericht von Frau Doris Behr

 

  • Wussten Sie, dass die Berge des Südkaukasus in Georgien über 5000 m hoch sind?
  • Dass bei jeder größeren Gesellschaft ein Tischherr („Tamada“) bestimmt wird, der die traditionellen Trinksprüche ausbringt und man sich mit dem Wort „Gaumardshos“ (Sieg und es lebe wohl) zuprostet ?
  • Dass Georgien als eines der ersten Länder das Christentum angenommen hat?

All dem und noch vielen anderen Aspekten Georgiens spürte unsere Münchner Reisegruppe nach. Lufthansa transportierte uns auf einem nächtlichen Flug in 3,5 Std nach Tiflis, der Hauptstadt des Landes. Unsere georgische Reiseleiterin Nazi, Germanistin mit langjähriger Berufserfahrung, erwartete uns schon am Flughafen. So begann unsere 10 tägige Reise durch das Land im Südkaukasus. Im Folgenden möchte ich Ihnen erzählen, was mir persönlich  in besonderer Erinnerung geblieben ist.

Seit meinem letzten Besuch im Jahr 2007 hat sich das Stadtbild von Tiflis deutlich gewandelt. Überall wird heftig gebaut: Hotels, eine sehr umstrittene, gläserne Friedensbrücke über die Kura ist fertig, ein Musical-Halle steht seit langem als Rohbau, eine Seilbahn führt auf die Burg Narikala, das Bäderviertel am Fuß der Burg ist restauriert. Lange im Tiefschlaf gelegene Museen, z.B. das Georgian National Museum, sind wiedereröffnet und die Exponate museumsdidaktisch gut ausgestellt. Das „Gold der Medea“, die Pretiosen aus der antiken Region Kolchis verschlugen uns ob ihrer Qualität und Seltenheit der Objekte die Sprache. Leider war die Zeit viel zu kurz…

Am nächsten Tag begann unsere Rundreise mit dem Bus, nicht das neueste Modell, aber der beste, der zur Verfügung stand. Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Souveränität unseres Fahrers Temuri machte manches wieder wett.

Die Fülle der Kirchen und Klöster ist unbeschreiblich. Etliche gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe, z.B.Mtshketa und die Klosteranlage von Gelati. Für mich war der Höhepunkt der Reise die kleine Gergeti Sameba Kirche in Kasbegi mit dem gleichnamigen Berg (5047 m) im Hintergrund. Die Symbiose von Natur und Kultur ist perfekt. Von unseren Hotelzimmern aus beobachteten wir den Sonnenaufgang, ganz langsam kroch die Sonne über die schneebedeckten Gipfel und tauchte die aus der Entfernung winzig wirkende Kirche langsam ins volle Licht. Wie ein Scherenschnitt hob sie sich zuvor von den bereits besonnten Bergen ab. Stunden später, nach einer sehr holprigen Fahrt im  Jeep genossen wir von der Kirche aus den grandiosen Rundblick auf den Kaukasus. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, wären wir gerne zur Kirche hinaufgewandert. Nicht nur hier ist der Kaukasus ein Wanderparadies und für alle Arten von Bergsteigen, Trekking bis Heli-Skiing geeignet.

Auf der Rückfahrt in die Ebene machten wir einen extra Halt für Nazi. Sie wollte von einer befreundeten Bäuerin Käse kaufen – für sich, Ihren Sohn und die neue Schwiegertochter. Ca. 10 kg schleppte sie zu unserem Erstaunen an. Gut eingelagert soll er der Familie mit über den Winter helfen. Hier sahen wir, wie groß die Not immer noch ist. Die glitzernden Fassaden von Tiflis, die Mercedes und BMW der Reichen täuschen darüber hinweg, dass die Bevölkerung teilweise unter großer Arbeitslosigkeit und Armut, leidet. Auch unsere Reiseleiterin, immerhin Akademikerin, hat Mühe, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Auf dem Land versuchen die Frauen durch Obstverkauf und Strickarbeiten ein paar Lari (die georgische Währung) zu verdienen. Ein paar dicke bunte Socken und eine Pudelmütze fanden sich später in meinem Reisegepäck wieder.

Ganz im Gegensatz zu den Erlebnissen im Hochgebirge stand die Fahrt in die Halbwüste David Garedja und zum gleichnamigen Kloster. Hier unternahm ein Teil der Gruppe bei bestem Wetter eine anspruchsvolle Wanderung zu einigen sehr abgelegenen Kirchen. Über drei Stunden waren wir unterwegs. Der Weg führte überwiegend auf einem Kamm entlang, in allen Richtungen war der Blick frei in die braun-beige-grün oder rötlich schimmernde Umgebung. Nicht weit von uns lag die Grenze zu Aserbeidschan.

Nach so viel frischer Luft stärkten wir uns mit einem mitgebrachten Picknick, da ein Lokal in dieser Einsamkeit nicht zu finden war. Üblicherweise fand Nazi eine Möglichkeit zum Einkehren, wo wir dann die lokale Küche genossen: Kachapuri (Brot mit Käse im Inneren und überbacken), Brot mit Auberginenpaste, köstlich reife Tomaten und Gurken, Pilze und Chinkali (gefüllte Teigtaschen). Zum Trinken gab es Tee, „türkischen Kaffeee“, Estragonlimonade oder einheimische Mineralwässer. Das berühmteste kommt aus Bordjomi, wir zapften es vor Ort an der Quelle ab. Der etwas eigentümliche, schwefelige Geschmack war für unsere Gaumen gewöhnungsbedürftig, für meine georgische Mitarbeiterin Manana dagegen kein Problem, sie war ihn seit ihrer Kindheit gewöhnt. Dem süffigen Rotwein Saperavi sprachen wir dann eher am Abend zu. Wein und Georgien ist ein ganz eigenes Thema. Lesen Sie mehr dazu im Beitrag Weinmesse Forum Vini München 2013.

Auch wenn die touristische Infrastruktur nicht immer unseren Ansprüchen genügte, möchte ich Georgien als Reiseland wärmstens empfehlen. Auch wegen der Herzlichkeit und Offenheit der Menschen. Gerne geben Manana und ich unsere Erfahrungen an Sie weiter, wenn Sie selber eine Reise nach Georgien planen.

 

by Doris Behr